Der private Krieg im Spiegelbild der Theorie der neuen Kriege - Markus Wagner

By Markus Wagner

Release Date: 2007-02-01

Genre: Political Science

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Mit dem Ende des Ost-West Konflikts und dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts Anfang der 1990er Jahre hatte sich die Erwartung verbreitet, dass Kriege und auch Kriegsdrohungen von nun an der Vergangenheit gehören wĂŒrden. Es sah eine Zeit lang danach aus, als ob der Gesellschaftstheoretiker Immanuel Kant in seiner 1795 verfassten Schrift „Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf“ damit recht behalten wĂŒrde, dass „es [
] der H a n d e l s g e i st [ist], der mit dem Kriege nicht zusammen bestehen kann, und der frĂŒher oder spĂ€ter sich jedes Volks bemĂ€chtigt.“ (Kant 1795. erster Zusatz) Aber diese Erwartung trog und bewahrheitete sich bis jetzt nicht. Was allerdings zu Ende ging war die lange wĂ€hrende Ära der klassischen zwischenstaatlichen Kriege, die spĂ€testens seit dem WestfĂ€lischen Frieden im Jahre 1648 eingelĂ€utet wurde und die bis ins 20. Jahrhundert hinein bestand. Schon im 1625 erschienenen Werk „Libri tres de belli ac pacis“ von Hugo Grotius wird der Staat bereits als Monopolist der Entscheidung ĂŒber Krieg und Frieden gesehen. (MĂŒnkler 2001: 226) Vor allen Dingen der politische und wirtschaftliche Schaden, den zwischenstaatliche Kriege verursachen, hat dazu gefĂŒhrt, dass hoch entwickelte Industriestaaten vor der FĂŒhrung von Kriegen zurĂŒckschrecken, weil der denkbare Ertrag geringer ist als der sicher einzukalkulierende Schaden. (MĂŒnkler 2002a: 128) Und somit wurden vor allen Dingen in Europa nach dem zweiten Weltkrieg durch die EuropĂ€ische Integration, die GrĂŒndung der KSZE und die Einbindung Europas in die NATO der Grundstein fĂŒr ein friedliches Miteinander gelegt, in dem Krieg kein Gegenstand europĂ€ischer Politik mehr darstellt. Doch unbemerkt dieser politischen ErwĂ€gungen Europas zeigten sich auf der ganzen Welt, ja selbst an der östlichen Grenze Europas, dem Balkan, schwelende Krisenherde die den europĂ€ischen BemĂŒhungen - „nie wieder Krieg“- entgegenlaufen und ganz neue Kriegsformen, nĂ€mlich die „privatisierten Kriege“ hervorbrachten. Beispiele hierfĂŒr waren die Kriege in Somalia und Ruanda, sowie der Bosnienkrieg in denen nicht nur zwischenstaatliche Akteure beteiligt waren, sondern mehr und mehr auch Partisanen, Warlords, Kindersoldaten, Söldner, private MilitĂ€runternehmen und auch andere Formen der privaten KriegsfĂŒhrung beteiligt waren.

Der private Krieg im Spiegelbild der Theorie der neuen Kriege - Markus Wagner

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Release Date: 2007-02-01

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Mit dem Ende des Ost-West Konflikts und dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts Anfang der 1990er Jahre hatte sich die Erwartung verbreitet, dass Kriege und auch Kriegsdrohungen von nun an der Vergangenheit gehören wĂŒrden. Es sah eine Zeit lang danach aus, als ob der Gesellschaftstheoretiker Immanuel Kant in seiner 1795 verfassten Schrift „Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf“ damit recht behalten wĂŒrde, dass „es [
] der H a n d e l s g e i st [ist], der mit dem Kriege nicht zusammen bestehen kann, und der frĂŒher oder spĂ€ter sich jedes Volks bemĂ€chtigt.“ (Kant 1795. erster Zusatz) Aber diese Erwartung trog und bewahrheitete sich bis jetzt nicht. Was allerdings zu Ende ging war die lange wĂ€hrende Ära der klassischen zwischenstaatlichen Kriege, die spĂ€testens seit dem WestfĂ€lischen Frieden im Jahre 1648 eingelĂ€utet wurde und die bis ins 20. Jahrhundert hinein bestand. Schon im 1625 erschienenen Werk „Libri tres de belli ac pacis“ von Hugo Grotius wird der Staat bereits als Monopolist der Entscheidung ĂŒber Krieg und Frieden gesehen. (MĂŒnkler 2001: 226) Vor allen Dingen der politische und wirtschaftliche Schaden, den zwischenstaatliche Kriege verursachen, hat dazu gefĂŒhrt, dass hoch entwickelte Industriestaaten vor der FĂŒhrung von Kriegen zurĂŒckschrecken, weil der denkbare Ertrag geringer ist als der sicher einzukalkulierende Schaden. (MĂŒnkler 2002a: 128) Und somit wurden vor allen Dingen in Europa nach dem zweiten Weltkrieg durch die EuropĂ€ische Integration, die GrĂŒndung der KSZE und die Einbindung Europas in die NATO der Grundstein fĂŒr ein friedliches Miteinander gelegt, in dem Krieg kein Gegenstand europĂ€ischer Politik mehr darstellt. Doch unbemerkt dieser politischen ErwĂ€gungen Europas zeigten sich auf der ganzen Welt, ja selbst an der östlichen Grenze Europas, dem Balkan, schwelende Krisenherde die den europĂ€ischen BemĂŒhungen - „nie wieder Krieg“- entgegenlaufen und ganz neue Kriegsformen, nĂ€mlich die „privatisierten Kriege“ hervorbrachten. Beispiele hierfĂŒr waren die Kriege in Somalia und Ruanda, sowie der Bosnienkrieg in denen nicht nur zwischenstaatliche Akteure beteiligt waren, sondern mehr und mehr auch Partisanen, Warlords, Kindersoldaten, Söldner, private MilitĂ€runternehmen und auch andere Formen der privaten KriegsfĂŒhrung beteiligt waren.

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