Der eiserne Gustav - Hans Fallada

By Hans Fallada

Release Date: 2018-10-01

Genre: Fiction & Literature

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Fallada versteht es, dem Leser Berliner Milieu- und Zeitschilderungen detailgenau und ĂŒberaus anschaulich zu vermitteln. Die Hauptfigur geht zurĂŒck auf den Droschenkutscher Gustav Herrmann, der im Jahre 1928 mit Pferd und Wagen eine spektakulĂ€re Fahrt von Berlin nach Paris und zurĂŒck unternommen hatte, um auf den Niedergang des Droschkengewerbes aufmerksam zu machen. Bei Fallada heißt der Protagonist Gustav Hackendahl, ist 1914 zu Beginn der Geschichte ein wohlhabender und strenger Mann mit militĂ€rischer Vergangenheit, der seine Frau, seine fĂŒnf Kinder und seine Lohnkutscher samt dreißig Pferden mit eiserner Hand regiert. Mit dem 1. Weltkrieg beginnt der stetige Niedergang der Familie, sowohl in wirtschaftlicher wie auch in sozialer Hinsicht, der sich in der Zeit der Inflation und vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Konflikte in der Weimarer Republik fortsetzt. Der Auslöser des Unheils ist aber der alte Hackendahl selbst, dessen tyrannische HĂ€rte das Schicksal seiner Kinder maßgeblich mitbeeinflusst: der vom Vater fĂŒr weich und schwach gehaltene Sohn Otto fĂ€llt an der Westfront, dessen vom Vater bevorzugter Bruder Erich entwickelt sich zum gewissenlosen FinanzbetrĂŒger, die Tochter Sophie wird zur kalt berechnenden alten Jungfer, deren Schwester Eva zur hörigen Sklavin eines Berliner Ganoven und ZuhĂ€lters. Einzig der jĂŒngste Sohn Heinz hat bis zum Ende der Handlung noch Kontakt zu dem knorrigen Patriarchen, gerĂ€t jedoch wie so viele seiner Zeitgenossen in die unheilvolle Spirale der Dauerarbeitslosigkeit. Gustav Hackendahl selbst, der zusĂ€tzlich zu seiner fortschreitenden persönlichen Verarmung all diese SchlĂ€ge mit stoischem Gleichmut zu verdauen scheint, gesteht sich bis zum Schluss nicht wirklich ein, seiner Familie gegenĂŒber versagt zu haben, verschanzt sich hinter seinem selbstgeschaffenen Nimbus der Unbeugsamkeit und einem fĂŒr immer ĂŒberlebten Preußentum. So wirkt denn ausgerechnet der Schluss des Buches, eben die berĂŒhmte Fahrt nach Paris, auf der ihm alle

Der eiserne Gustav - Hans Fallada

By Hans Fallada

Release Date: 2018-10-01

Genre: Fiction & Literature

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Fallada versteht es, dem Leser Berliner Milieu- und Zeitschilderungen detailgenau und ĂŒberaus anschaulich zu vermitteln. Die Hauptfigur geht zurĂŒck auf den Droschenkutscher Gustav Herrmann, der im Jahre 1928 mit Pferd und Wagen eine spektakulĂ€re Fahrt von Berlin nach Paris und zurĂŒck unternommen hatte, um auf den Niedergang des Droschkengewerbes aufmerksam zu machen. Bei Fallada heißt der Protagonist Gustav Hackendahl, ist 1914 zu Beginn der Geschichte ein wohlhabender und strenger Mann mit militĂ€rischer Vergangenheit, der seine Frau, seine fĂŒnf Kinder und seine Lohnkutscher samt dreißig Pferden mit eiserner Hand regiert. Mit dem 1. Weltkrieg beginnt der stetige Niedergang der Familie, sowohl in wirtschaftlicher wie auch in sozialer Hinsicht, der sich in der Zeit der Inflation und vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Konflikte in der Weimarer Republik fortsetzt. Der Auslöser des Unheils ist aber der alte Hackendahl selbst, dessen tyrannische HĂ€rte das Schicksal seiner Kinder maßgeblich mitbeeinflusst: der vom Vater fĂŒr weich und schwach gehaltene Sohn Otto fĂ€llt an der Westfront, dessen vom Vater bevorzugter Bruder Erich entwickelt sich zum gewissenlosen FinanzbetrĂŒger, die Tochter Sophie wird zur kalt berechnenden alten Jungfer, deren Schwester Eva zur hörigen Sklavin eines Berliner Ganoven und ZuhĂ€lters. Einzig der jĂŒngste Sohn Heinz hat bis zum Ende der Handlung noch Kontakt zu dem knorrigen Patriarchen, gerĂ€t jedoch wie so viele seiner Zeitgenossen in die unheilvolle Spirale der Dauerarbeitslosigkeit. Gustav Hackendahl selbst, der zusĂ€tzlich zu seiner fortschreitenden persönlichen Verarmung all diese SchlĂ€ge mit stoischem Gleichmut zu verdauen scheint, gesteht sich bis zum Schluss nicht wirklich ein, seiner Familie gegenĂŒber versagt zu haben, verschanzt sich hinter seinem selbstgeschaffenen Nimbus der Unbeugsamkeit und einem fĂŒr immer ĂŒberlebten Preußentum. So wirkt denn ausgerechnet der Schluss des Buches, eben die berĂŒhmte Fahrt nach Paris, auf der ihm alle

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